Von Profis für Profis: Neue Aerosoft Produktlinie und neues Preismodell

„Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional“ macht den Anfang im Reigen der neuen Profi Produkte

Mit „Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional“ erscheint der erste Aerosoft Mega Airport mit voller P3D v4 Funktionalität inklusive eines neuen Preismodells. Grund genug, nicht nur den aufgemöbelten Flughafen unter die Lupe zu nehmen, sondern auch einmal etwas genauer zu betrachten, was es eigentlich heißt, einen bereits bestehenden Airport für die neue Simulatorplattform anzupassen.

Mit der Vorstellung der neuesten 64 Bit Version des Flugsimulators „Prepar3D v4“ (P3D) aus dem Hause Lockheed-Martin war klar, dass es auf dem Markt der PC Flugsimulatoren einen Paradigmenwechsel geben wird. Denn mit dem Umstieg von 32 auf 64 Bit bleiben zwar grundsätzlich alle bestehenden Zusatzpakete, die keinen (ausführbaren) Programmcode enthalten, mit der neuesten Version kompatibel. Das sind vor allem Texturen, Bilder, im Prinzip alle statischen Elemente zum Beispiel einer Flughafenszenerie. Alles, was jedoch während der Programmausführung veränderlich ist, also Skripte, Laufzeitbibliotheken (DLLs), Treiber oder Codeinhalte (BGLs) muss mithilfe des neuen P3D Software Development Kits (SDK) neu kompiliert werden. Das ist im Prinzip die Umwandlung existierenden Programmcodes in einer (beliebigen) Programmiersprache in die Sprache, die P3D versteht.

Diesen Blick aus dem Terminal B kennt jeder, der schon einmal Langstrecke von Frankfurt aus geflogen ist.

Am aufwändigsten ist folgerichtig das Anpassen von Add-On Flugzeugen oder Tools, die direkt in den Flugsimulator eingreifen, wie z.B. FSUIPC: Hier muss fast jede Programmzeile neu kompiliert werden, da die meisten Funktionen über eine Laufzeitbibliothek oder einen Treiber aufgerufen werden. Ein wenig anders sieht die Sache bei Flughafenszenerien aus: Diese bestehen überwiegend aus Texturen, Bildern, Verweisen, also jeder Menge statischer Inhalte. Je mehr Funktionsumfänge eine Szenerie allerdings mit sich bringt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Codeinhalte gibt, die neu kompiliert werden müssen. Und auch das stellt noch den einfachsten Weg dar. Denn mit der neu übersetzten Version hat man erst einmal nichts anderes als die alte Szenerie im neuen Simulator lauffähig gemacht. Von neuen Funktionen, die die wesentlich modernere Umgebung bietet, nutzt man dabei noch nichts.

Und hier gibt es nun verschiedene Strategien, wie die Entwickler den Updateprozess für ihre bereits existierenden Szenerien angehen. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Ansätze:

  • schnelles Bereitstellen von Patches, die offensichtliche Inkompatibilitäten beheben, aber keine Änderung des Programmcodes (Beispiel: FlyTampa)
  • straight port: die einfache Neukompilierung mit Hilfe des P3D SDK, ohne dass neue Funktionen hinzugefügt oder Optimierungen vorgenommen werden, schlicht, um die Szenerie in P3D v4 lauffähig zu machen (Beispiel: Aerosoft Valencia X)
  • Einbinden neuer P3D v4 Funktionen: zusätzlich zur Neukompilierung fügt der Entwickler neue Funktionen hinzu, die der neue Simulator bietet, wie zum Beispiel Dynamic Lighting (Beispiele: Taxi2Gate Paris Charles de Gaulle, Flightbeam und 29Palms Szenerien sowie einige Aerosoft Szenerien (z.B. Madeira Evolution X)). In diese Kategorie fällt auch der hier besprochene Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional.

Jede dieser Vorgehensweisen hat ihre Vor- und Nachteile, unterscheiden sich naturgemäß aber deutlich im Aufwand, je nach Größe der Szenerie oder Anzahl der neuen Funktionen, die unterstützt werden sollen. Für den Endkunden, also uns Hobbysimulanten, ist es nur sehr schwer nachzuvollziehen, wie hoch der Aufwand tatsächlich ist, den jeder Entwickler betreibt – oder eben auch nicht. Normalerweise wäre das auch gar nicht so wichtig, wenn nicht jeder Anbieter bei seinen Updates eine andere Preispolitik verfolgen würden. So bieten zum Beispiel Flightbeam und 29Palms sämtliche Aktualisierungen kostenlos an, obwohl sie vollständig an P3D v4 angepasst sind und mithin mit hoher Wahrscheinlichkeit ein nicht unerheblicher Aufwand getrieben werden musste. Taxi2Gate hingegen verlangt für jedes Update seiner Szenerien fünf Euro obgleich hier zumindest auf den ersten Blick lediglich Dynamic Lighting als neue Funktion integriert wurde. Da sich Taxi2Gate auch nicht sonderlich transparent zeigt, welche Änderungen denn nun tatsächlich in das Update eingeflossen sind, bleibt zumindest eine gewisse Skepsis oder zu gut deutsch „Geschmäckle“ was den aufgerufenen Update Preis angeht.

Sehr beliebt bei Fitness Junkies: Abflug Gate A40. Weiter kann man zumindest im Terminal A nicht laufen.

Bisher hatte auch Aerosoft sämtliche Aktualisierungen bestehender Szenerien für P3D v4 kostenlos angeboten. Das ändert sich nun mit dem ersten Mega Airport der neuen „Professional“ Serie: Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional. Die neue Produktlinie „Professional“ soll nach Lesart von Aerosoft für eben jene „professionellen“ Anwender gedacht sein, die auch Lockheed-Martin ausdrücklich adressiert. Ein Schelm wer Arges dabei denkt, denn dagegen lässt sich schlecht argumentieren, würde doch jede andere Verwendung eh gegen Lockheed-Martins Lizenzbestimmungen verstoßen. Die neuen „Professional“ Versionen sollen dabei übrigens nicht nur den Mega Airports vorbehalten sein, und umgekehrt wird auch nicht jeder Mega Airport einen „Professional“ Ableger bekommen. Doch abgesehen von der neuen Nomenklatur – die entscheidende Frage ist, rechtfertigen die neuen Funktionen den Aufpreis von ungefähr fünf Euro für das Update?

Wie bereits erwähnt, lässt sich aus Endkundensicht der tatsächliche Aufwand nicht beurteilen, also bleibt uns nichts anderes übrig, als im Simulator selbst auf die Suche nach neuen, sichtbaren Funktionen zu gehen.

Bevor wir das tun, empfehle ich allerdings, noch einmal meinen ursprünglichen Test des Mega Airport Frankfurt v2.0 nachzulesen, denn am grundsätzlichen Aufbau der Szenerie hat sich nichts geändert. Zu diesem Test geht’s hier entlang: https://monokuro.eu/?p=2436

Stellt man sich am Tage auf den neuen Flughafen, sieht man weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick einen großen Unterschied zur 32 Bit Variante. Weder sehen die verwendeten Texturen besser aus, noch gibt es bauliche Unterschiede zur Ursprungsversion. Auch die Performance bewegt sich leider in etwa auf dem Niveau des Vorgängers. Das hätte tatsächlich einer grundlegenden Neuprogrammierung und Optimierung bedurft, die offensichtlich nicht stattfand. Der entscheidende Unterschied allerdings ist – und das ist eher das Verdienst der neuen 64 Bit Plattform von Prepar3D v4 – dass die gefürchteten OOM (Out of Memory) Fehler und damit einhergehende Abstürze ausbleiben, auch wenn wir locker die ehemalige Absturzgrenze von 4GB im neuen Frankfurt überschreiten. Damit ist einer der übelsten Spielverderber verbannt, der jedem Hobbypiloten immer wieder die Freude an der virtuellen Landung in Frankfurt vergällen konnte.

Diesen Anblick hat man schon oft gesehen: Lufthansa Langstreckenflieger am Terminal B angedockt.

Waren tagsüber noch keine großen Unterschiede zur Vorgängerversion zu erkennen, ändert sich das Bild dramatisch sobald man sich des Nachts auf den Flughafen begibt. Hier ist die Profiversion tatsächlich wie aus einer anderen Welt. Was Lockheed-Martin mit „Dynamic Lighting“ in den Simulator gezaubert hat, ist immer wieder beeindruckend. Allerdings erkauft man sich die nächtliche Pracht mit einer erheblichen Performanceeinbuße – zumindest unter bestimmten Bedingungen. Liege ich mit meinem nicht ganz schwachbrüstigen PC (i7 4790K+GTX1080Ti) tagsüber (im Simulator wohlgemerkt) bei ungefähr 25 fps (Frames per Second – Bilder pro Sekunde), ist es nachts noch die Hälfte – jedenfalls bei 50 Prozent AI Traffic (vom Computer generierter Flugverkehr). Und das, obwohl das Anti Aliasing schon ohne Super Sampling auskommen muss (2xMSAA). Dass zehn bis zwölf fps nicht flüssig und mithin unfliegbar sind, muss nicht gesondert erwähnt werden. Macht man dem ganzen Flugzeuggewusel per Schieberegler den Garaus, kann wieder mit 25 fps geflogen werden. Der Haken an der Sache: Lässt sich AI Traffic noch recht einfach ausschalten, bei Online Flügen ist man leider nicht Herr des Verkehrsaufkommens. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Performance nachts, unter realen Bedingungen auf IVAO oder VATSIM gestaltet.

Update (18.8.2017): Die bei meinem ersten Test gemessenen fps Werte kamen unter recht widrigen Witterungsbedingungen (Regen, stark bewölkt) zustande. Zieht man in Betracht, dass jeder Regentropfen und jede Wolke natürlich auch einem Anti-Aliasing unterzogen und gerendert werden muss, relativieren sich die oben erwähnten Messwerte. In einem neuerlichen Test heute morgen (leicht bewölkt, kein Regen) erzielte ich mit Nachtbeleuchtung sogar mit AI Traffic (50 und 100%) solide 25 Bilder pro Sekunde. Ich werde die Performance weiter beobachten und den Test gegebenenfalls weiter aktualisieren. Es deutet sich aber an, dass die Entwickler durchaus ein wenig an der Performanceschraube gedreht haben oder die neue Simulatorplattform schlicht besser mit derart großen Airports wie Frankfurt umgeht als seine Vorgänger.

Ein Augenschmaus, der ordentlich Bildwiederholrate kostet, zumindest dann, wenn man sich AI Traffic gönnt: Der Mega Airport bei Nacht mit Dynamic Lighting.

Auch die anderen Neuerungen der Professional Variante sind eher bei Nacht oder schlechtem Wetter zu sehen:  So wurde die Landebahnbefeuerung optimiert, sie schaltet sich je nach Tageszeit und Witterungsbedingungen automatisch ein oder aus. Das gleiche gilt auch für Schneeeffekte an Gebäuden, auch wenn es außerhalb des Simulatorwinters einmal schneien sollte. Den augenfälligsten Unterschied machen aber natürlich die neuen Vorfeldlampen, die neue P3D v4 Effekte und das bereits erwähnte „Dynamic Lighting“ nutzen.

Der Flughafen bettet sich gut in die umgebende FTX Global Base Landschaft ein.

Fazit:

Ob das Update „Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional“ für Prepar3D v4 nun fünf Euro Aufpreis wert ist, muss jeder Käufer für sich entscheiden. Deutlich auf der Habenseite stehen die OOM-Resistenz der neuen Szenerie ebenso wie die wirklich beeindruckende Nachtbeleuchtung, auch wenn man diese mit wohl dosiertem Einsatz von AI Traffic erkaufen muss. Abstürze aufgrund nicht ausreichenden Speichers gehören nun jedenfalls der Vergangenheit an. Und das war einer der größten Kritikpunkte der ursprünglichen 32 Bit Variante des Mega Airports. Die gute Nachricht ist in jedem Fall, dass mit „Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional“ nun endlich wieder der größte deutsche Verkehrsflughafen für alle Nutzer der neuesten und modernsten Version von Prepar3D zur Verfügung steht. Nach ersten Tests scheint sich auch die Performance im Vergleich zur Vorgängerversion leicht verbessert zu haben. Abzüge gibt es in der B-Note, da das German Airport Team die Gelegenheit nicht genutzt hat, einige der alten, weniger gut aufgelösten Texturen durch besser aufgelöste zu ersetzen, jetzt wo es kein Speicherproblem mehr gibt.

Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional für Prepar3D v4 ist im Downloadshop von Aerosoft für 34,95 Euro erhältlich. Besitzer der Vorgängerversion können das Update für 5,94 Euro erwerben.

Und zum Schluss noch eine kleine Galerie:

One Reply to “Im Test: Mega Airport Frankfurt v2.0 Professional für Prepar3D Version 4”

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