Wenn man sich die Geschwindigkeit ansieht, mit der Aerosoft momentan neue bzw. aktualisierte Szenerien vorstellt, dann merkt man, dass Weihnachten nicht mehr weit sein kann. Denn gerade vorm Fest sitzt die Kreditkarte ja bekanntermaßen etwas lockerer im Portemonnaie. Wer würde das nicht ausnutzen wollen.

Nach Frankfurt, Stuttgart und Friedrichshafen folgt nun also Nummer vier im Reigen der German Airports Szenerien, die für Prepar3D (P3D) Version 4 fit gemacht und unter dem Zusatz „Professional“ unter die fliegende Kundschaft gebracht werden: „Hamburg Professional“.

Dabei geht das GAP Team nach dem gleichen Rezept vor wie auch schon bei den drei Vorgängern: Man nehme die 3D Modelle der existierenden Szenerien für Flightsimulator X (FSX) und P3D, verpflanze sie samt neuer Beleuchtungs- und Animationstechnologien auf die neue 64-Bit Plattform P3D v4, garniere sie mit einem aktualisierten AFCAD (wichtig für vom Computer generierten Flugverkehr (AI Traffic) sowie die richtige Lage aller Gates, Rollwege und sonstiger für den Flugverkehr relevanter Einrichtungen), gebe eine Prise neuer Gebäude hinzu, schmecke mit automatischen Texturen für die verschiedenen Jahreszeiten ab und lässt sie im P3D v4 SDK (Software Development Kit) gar werden, et voilà, fertig ist die „Professional“ Variante.

Grundsätzlich ist an dieser Vorgehensweise nichts auszusetzen, kommen wir doch so recht schnell an neue bzw. aktualisierte Szenerien für P3D v4. Ohne diese gäbe es schlicht überhaupt keine brauchbaren Flughafen Add-Ons für die meisten dieser Destinationen, da die alten Szenerien nicht mit P3D v4 kompatibel sind. Der Nachteil dieser Fast Food Methode ist wie beim kulinarischen Vorbild allerdings, dass dem Gericht jeglicher Pepp fehlt. So auch in „Hamburg Professional“. Denn wie schon in Frankfurt und vor allem Stuttgart hat das GAP Team es wiederum versäumt, die alten, teilweise noch aus Zeiten des FS9 stammenden Texturen an Gebäuden und Boden auf den Stand des Jahres 2017 zu hieven.

So fehlen auch in „Hamburg Professional“ wieder transparente Glasfronten am Terminal – mittlerweile Standard bei anderen hochwertigen Szenerien, die sich auf einem ähnlichen Preisniveau wie die GAP Szenerien bewegen. Auch die statt dessen aufgeklebte Fototapete ist von so niedriger Auflösung, dass man am liebsten gar nicht am Terminal parken, sondern nur noch mit Billig Airlines nach Hamburg fliegen mag, die eh auf einer Außenposition parken, so dass einem dieser Anblick erspart bleibt.

Aus der Ferne wirken die Gebäudetexturen noch recht passabel. Der Bodenverkehr ist dagegen recht detailliert modelliert und auch animiert.

Das gleiche gilt leider für die Bodentexturen auf dem Rollfeld und vor allem auf den Landebahnen, denen man nicht so leicht entkommt. Dermaßen verwaschene Texturen haben in einer Bezahlszenerie im Jahr 2017 nichts mehr zu suchen. Hier zeigen andere Entwickler seit Jahren wie detailliert und realistisch Landebahnen und Rollwege aussehen können.

Leider gibt es am Flughafen auch reichlich Stellen, an denen nicht einmal die niedrig aufgelösten, selbst erstellten Bodentexturen Verwendung finden, sondern schlicht ein Luftbild herhalten muss. Das ist allerdings noch einmal deutlich verwaschener als die ohnehin schon schlechten Bodentexturen und flackert zudem an einigen Stellen beim Übergang zwischen Bodentextur und Luftbild.

Luftbildaufnahmen, die in die Szenerie eingebaut sind, enttäuschen mit einer noch geringeren Auflösung als die eh schon schlechten Bodentexturen.

Auf der Habenseite kann die neue Szenerie jede Menge neuer Funktionen verbuchen, die die moderne P3D v4 Plattform bietet. In erster Linie natürlich „Dynamic Lighting“, das der Szenerie eine sehr authentische Nachtansicht verleiht. Daneben funktioniert in der neuen Version nicht nur der Bodenverkehr wieder, sondern er wuselt auch sehr reichlich auf dem Vorfeld herum, was den Flughafen sehr lebendig gestaltet. Ebenso sind mittlerweile alle Rollwege korrekt beschriftet. Da in Hamburg vor ungefähr einem Jahr das Rollweglayout komplett neu gestaltet wurde, keine Selbstverständlichkeit, ist aber gerade für die Online-Flieger unter den virtuellen Hobbypiloten unerlässlich.

Eine Hamburg Spezialität sind verwirrende Rollwegbeschriftungen. Perfekt umgesetzt.

Zu den Neuerungen für P3D v4 zählen auch automatisch wechselnde Sommer- und Wintertexturen. Allerdings scheinen sich OrbX FTX Germany North und „Hamburg Professional“ nicht einigen zu können, wann denn nun der meteorologische Winter in Hamburg beginnt, so dass momentan der Airport wie eine Eisscholle im ansonsten schneelosen FTX Norden liegt.

Eine bessere Synchronisation der Wintertexturen wäre wünschenswert, aber sicher schwer zu bewerkstelligen.

Zu guter Letzt soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Fluggastbrücken per STRG-J zu bedienen sind und sich auch automatisch an AI Flugzeuge anlegen. Ein lang vermisstes Feature bei GAP Szenerien für P3D.

Fazit

Die gute Nachricht ist, dass das German Airports Team mit „Hamburg Professional“ zumindest für Besitzer der Vorversion(en) eine lange klaffende Lücke für Nutzer von P3D v4 geschlossen hat und der größte Verkehrsflughafen im Norden Deutschlands wieder angeflogen werden kann. Durch die Verwendung der neuesten P3D v4 Technologien wirkt der Flughafen dabei vor allem nachts sehr authentisch und aufgrund des reichlich vorhandenen, animierten Bodenverkehrs auch sehr lebendig. Auch die Rollwegbeschriftungen sind auf dem aktuellsten Stand – in Hamburg keine Selbstverständlichkeit. Große Abstriche gibt es allerdings bei der Qualität sämtlicher Texturen, egal ob an Gebäuden oder am Boden. Diese sind schlicht nicht mehr akzeptabel für eine Szenerie im Jahre 2017.

 

„Aerosoft Hamburg Professional“ ist im Aerosoft Shop für Prepar3D v4 für 24,95 Euro erhältlich. Nutzer der Vorversionen (ab German Airports 3 – 2012 (Hamburg)) erhalten die Szenerie zu einem Upgradepreis von 4,99 Euro.

2 Replies to “Im Test: Aerosoft Hamburg Professional für Prepar3D Version 4”

  1. Amen,

    kann ich alles so unterschreiben. Als Update (auch bezahlt) sicherlich ok, aber man stelle sich mal Leute vor, die sich das zum vollen Preis neu kaufen. Die fallen doch vom Glauben ab. Diese Leute kann man eigentlich garnicht oft genug warnen. Da investiert man sein Geld lieber in andere Sachen.

    Ich habe bisher nur Stuttgart auf „Professional“ upgegradet und wenn ich ehrlich bin, habe ich selbst die 4 Euro schon bereut und den Flughafen seitdem noch nicht angeflogen. Also Freude macht das alles nicht und Aerosoft sollte sich wirklich überlegen, ob sie das als ihren neuen Standard setzen wollen oder ob sie hier ein paar schnelle Euros abgreifen wollen. Das hinterlässt ganz sicher viele enttäuschte Kunden, die später weniger Geld für andere Aerosoftprodukte ausgeben. Ich bin auf jeden Fall einer von ihnen.

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