Langsam aber sicher wird das Netz deutscher Flughafen Zusatzszenerien für Lockheed-Martin Prepar3D (P3D) Version 4 dichter. Das ist eine gute Nachricht, denn acht Monate nach Vorstellung der neuen 64-Bit Variante des modernen Flugsimulators klaffen weltweit immer noch große Lücken bei der Abdeckung mit P3D v4 kompatiblen Flugzielen. Gerade in Deutschland sind die weißen Stellen auf der v4 Landkarte besonders augenfällig, da wir mit den German Airports (GAP) Zusatzszenerien in der Vergangenheit eine recht hohe Add-On Dichte vorweisen konnten. Mit dem Umstieg auf P3D v4 hat Lockheed-Martin aber den Reset Knopf gedrückt, und es hieß, einmal von vorn anzufangen, und alle Szenerien 64-Bit kompatibel zu machen.

Der nächste runderneuerte Airport aus der GAP Familie steht nun mit Dortmund ins Haus. Diesmal mit einer Neuerung gegenüber seinem direkten Vorgänger aus dem GAP 2 Bundle, denn im Grunde ist die neue Zusatzszenerie „Approaching Dortmund“ ein 3-in-1 Paket: Zusätzlich zum aufgepeppten Flughafen Dortmund aus der ursprünglichen GAP Szenerie gibt es nun den kleinen Flugplatz Hengsen-Opherdicke sowie die Stadtszenerie Dortmund als Zugabe. Damit einher ging auch eine Preiserhöhung. Kostete der alte Einzel Airport noch 14,95 Euro, sind nun 19,95 Euro für die neue Szenerie zu berappen.

Flughafen Dortmund

Vor allem Ryanair, Wizz Air und EasyJet Piloten werden den neuen Flughafen willkommen heißen. Denn die Nähe zum Ruhrgebiet und die dennoch vertretbaren Flughafengebühren machen den kleinen Regionalflughafen attraktiv für Billigflieger. Das reale Vorbild hat dabei viele Eigenheiten, die die Entwickler versucht haben, mit viel technischem Aufwand umzusetzen. So zwingt das recht schmale Vorfeld in der Realität die Flugzeuge dazu, mit dem Heck zum Terminal zu parken, damit sie für den nächsten Flug vorwärts aus der Parklücke rollen können. Dabei müssen sie naturgemäß vor dem Terminal beim Einparken wenden. Da AI Traffic (vom PC generierter Flugverkehr) im Flugsimulator allerdings solch ausgeklügelte Parkmanöver nicht beherrscht, mussten die Entwickler tief in die Trickkiste greifen. So gibt es für die Parkpositionen 5 bis 12 am Hauptterminal zwei Wahlmöglichkeiten: AI Traffic stellt sich an die „normalen“ Gatepositionen, die mit „GATE X“ bezeichnet sind. Wir, als fähige menschliche Piloten, stellen uns in der Flughafenauswahl in P3D an die „Helipad“ Parkpositionen, dann zeigt unsere Flugzeugnase auch vom Terminal weg und einem realistischen „Taxi Out“ steht nichts mehr im Wege. Lediglich die Gates 0 bis 4 fungieren als „normale“ Gatepositionen, denn hier ist genügend Platz für ein Pushback.

Eine weitere Besonderheit stellen die beweglichen Fluggastbrücken dar. An den Gates 5 bis 12 docken die Ausleger, die direkt auf dem Boden aufsetzen, nicht am Flugzeug an, sondern bewegen sich lediglich in die Richtung der jeweiligen Parkposition. Eine Eigenart, die es so vermutlich nur am Dortmunder Flughafen gibt. Die Gates 3 und 4 verfügen hingehen über die normalen Standard Ausleger. Zu steuern sind die Jetways allesamt über STRG-J.

Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass der Flughafen auf zwei Ebenen liegt. Denn der Parkplatz der Allgemeinen Luftfahrt (GAT) liegt ein paar Meter höher als das Hauptterminal. Über einen ansteigenden Rollweg kann das GAT erreicht werden. Allerdings geht dabei ein realistischer Schattenwurf flöten und auch AI Verkehr traut sich nicht auf das Plateau. Ein kleiner Schönheitsfehler, mit dem man sicherlich leben kann.

Steile Rampe: Ansteigende Rollwege sind im Flugsimulator nie so ganz leicht umzusetzen.

Weniger gut leben lässt sich allerdings mit einem Makel, der leider sämtlichen aktuellen GAP Szenerien anhaftet. Wie schon in den Tests zu Frankfurt, Stuttgart und Hamburg für P3D v4 erwähnt, schleppen die Add-Ons des German Airport Teams miserabel aufgelöste Texturen als Altlasten mit sich herum, die einem FS 2004 vielleicht noch gut gestanden haben, im Jahr 2018 sind sie allerdings vollkommen inakzeptabel, zumal es die ansonsten wirklich sehr aufwändig und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Szenerie sichtbar schmälert. Hier müssen Aerosoft und das GAP Team dringend nachbessern. Zwar hat Aerosoft bei den kleineren deutschen Flughäfen ein Quasi Monopol, allzu lang sollte man sich darauf allerdings nicht ausruhen, will man nicht Gefahr laufen, dass andere Entwickler in diese Lücke stoßen.

Auf der Habenseite kann der Dortmunder Flughafen dank des P3D v4 exklusiven „Dynamic Lighting“ eine fantastische Nachtansicht verbuchen. Auch die Ablaufgeschwindigkeit ist über jeden Zweifel erhaben. Das ist insofern nicht ganz selbstverständlich als dass die eigentliche Flughafenszenerie zwar nicht allzu viel Performance benötigt, da sie nur aus einer vergleichsweise geringen Zahl an Gebäuden besteht. Jedoch ist das Stadtgebiet Dortmund sehr nah und auch das Ruhrgebiet insgesamt ist sehr dicht besiedelt, was vor allem bei Verwendung von OrbX FTX Germany North zu einer sehr hohen Dichte automatisch generierter Objekte (Autogen) führt, die chronisch dazu neigen, auf die Performance zu drücken.

Apropos Umgebung. Selbst im Winter bettet sich die Flughafenszenerie perfekt in die umgebende Landschaft ein. Gerade die Wintertexturen der FTX Regions (in diesem Fall Germany North) machen es dabei Entwicklern nicht immer ganz einfach, für einen nahtlosen Übergang zwischen FTX Texturen und eigentlicher Flughafenszenerie zu sorgen. Im Falle der Dortmund Szenerie kann man den Übergang als außerordentlich gelungen bezeichnen. Dabei leistet auch der Szeneriekonfigurator gute Unterstützung. Hier lässt sich per Mausklick einstellen, ob FTX Germany North vorhanden ist oder nicht. Das Tool schaltet dann selbständig zwischen zwei *.bgl Dateien im Szenerieordner um, so dass das oft mühsame manuelle Umschalten entfällt. Da ich keine doppelten Gebäude erkennen konnte, was darauf hinweisen würde, dass es Konflikte zwischen FTX Region und lokaler Szenerie gibt, ist davon auszugehen, dass das Umschalten auch korrekt funktioniert und keine Inkompatibilitäten auftreten.

So sieht man den Übergang zwischen FTX Germany North und Flughafenszenerie am liebsten: nämlich gar nicht.

Stadtszenerie Dortmund

Zwar bietet schon OrbX FTX Germany North einige Objekte im Stadtgebiet von Dortmund, die die Stadtansicht deutlich realistischer gestalten als der P3D Standard. Allerdings setzt hier „Approaching Dortmund“ nochmal eine gehörige Schippe oben drauf. Rund einhundert zusätzliche Objekte haben die Entwickler in unterschiedlichen Detailstufen in die Stadtszenerie eingefügt. Besonders augenfällig sind dabei das RWE Hochhaus, das bei Nacht ein strahlendes BVB Logo ziert sowie das „Dortmunder U“. Zusätzlich zu den handerstellten Objekten liefert Aerosoft eine Fototapete, die das Stadtgebiet Dortmund abdeckt, der man allerdings nicht zu nahe kommen darf, da sie nicht sonderlich hoch aufgelöst ist.

Flugplatz Hengsen-Opherdicke

Ein richtiges Kleinod ist der Flugplatz Hengsen-Opherdicke (der in P3D übrigens fälschlicherweise „Hengsten-Opherdicke“ heißt), der ebenfalls Bestandteil von „Approaching Dortmund“ ist. Diesem Segelflugplatz sieht man an, dass er neu erstellt wurde. Texturen und Schriften sind hochaufgelöst und sehr scharf, so dass man sie auch aus der Nähe betrachten mag. Einen ähnlichen Aufwand hätte man sich bei der alten GAP Szenerie für den Flughafen Dortmund gewünscht. Neben dem eigentlichen Hauptgebäude, der einer Scheune ähnelt, gibt es noch jede Menge handplatzierte Objekte wie Selgelfluganhänger, parkende Autos und einen animierten Windsack. Selbst eine Gruppe animierter Picknicker fehlt nicht.

Installation

Wer es gewöhnt ist, Aerosoft Szenerien zu installieren, sollte übrigens bei der Installation etwas Obacht geben. Normalerweise gibt der Aerosoft Installer immer den Pfad sim root\Ecosystem\Aerosoft vor. Der Dortmund Installer fällt hier allerdings etwas aus der Reihe und bietet erst einmal einen Pfad im eigenen Dokumentenordner an, meist also auf der Festplatte fürs Betriebssystem. Diesen Pfad sollte man (und kann man) so ändern, dass er wieder auf den Ecosystem Ordner entweder im Hauptverzeichnis des Flugsimulators oder auf einer separaten Festplatte zeigt. Danach gibt es im Installationsordner zwei neue Verzeichnisse: eines für die Flughafen Dortmund Szenerie („German Airports-Dortmund Professional“) und ein neues für den Segelflugplatz und die Stadtszenerie („Approaching Dortmund“). Meiner Meinung nach etwas unglücklich gelöst. Das erzeugt den Eindruck zweier separater Produkte, die im übrigen auch mit ihren jeweils eigenen Konfigurationstools daherkommen.

Fazit

Mit „Approaching Dortmund“ knüpft Aerosoft das Netz kleinerer deutscher Regionalflughäfen für Prepar3D v4 wieder etwas dichter. „Approaching Dortmund“ ist eine runderneuerte Variante der alten German Airports Szenerie für den Flughafen Dortmund. Als Zugabe gibt es neu den Segelflugplatz Hengsen-Opherdicke sowie eine detaillierte Umsetzung der Dortmunder Stadtszenerie. Dabei haben die Entwickler viel Aufwand getrieben, um die Besonderheiten des Dortmunder Flughafens für den Simulator umzusetzen. So führt ein ansteigender Rollweg vom Hauptterminal zum höher gelegenen GAT Parkplatz, und auch die eigenwilligen „Taxi Out“ Parkpositionen am Hauptterminal wurden sowohl für AI Traffic wie für das selbst gesteuerte Flugzeug obschon nicht sonderlich realistisch, so doch zumindest plausibel umgesetzt. Der Flugplatz Hengsen-Opherdick sowie die Dortmunder Stadtszenerie überzeugen mit recht detailliert gearbeiteten Modellen. Die Texturen am Flughafen selbst können leider nicht über ihr altes Erbe der betagten GAP Szenerie hinwegtäuschen und müssen dringend einer Generalüberholung unterzogen werden.

 

Aerosoft „Approaching Dortmund“ ist im Downloadshop von Aerosoft für P3D v4 für 19,95 Euro erhältlich. Vorbesitzer der GAP Szenerie zahlen einen Upgradepreis von 12,97 Euro.

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