Gelungene Renovierung des Frankfurter Flughafens für PC-Simulatoren

Wenn es einen Flughafen gibt, auf den die deutsche Flugsimulatorgemeinde ein besonderes Augenmerk richtet, dann ist es der größte deutsche Verkehrsflughafen Frankfurt am Main. Und so nimmt es nicht Wunder, dass einer Neuauflage des virtuellen Pendants des Rhein-Main-Flughafens mit einer besonders hohen Erwartungshaltung entgegen gefiebert wird.

Spannend wurden die letzten Monate bis zur Vorstellung vor allem deshalb, weil es zwei Entwicklerteams gab, die sich der virtuellen Neugestaltung angenommen hatten: Die Amerikaner schickten Flightbeam Studios ins Rennen, die Deutschen traten mit der Paderborner Simulator-Schmiede Aerosoft an. Leider musste Flightbeam im Februar dieses Jahres den vorläufigen Rückzug aus dem Projekt bekannt geben, da die Amerikaner keinen Zugang zu wichtigen Originalunterlagen und Fotomaterial des Flughafens erhalten konnten.

Aerosoft hatte hier offenbar die besseren Beziehungen und konnte deshalb in der vergangenen Woche als erster (und vermutlich auf absehbare Zeit auch einziger) Entwickler die Neuauflage unter dem Namen „Mega Airport Frankfurt V2.0“ präsentieren.

Verantwortlich für die Neugestaltung ist das German Airports (GAP) Team, das auch federführend bei der Entwicklung der Erstauflage des „Mega Airport Frankfurt“ aus dem Jahre 2005 (damals noch für FS2004) war. Und die Neuumsetzung kann sich durchaus sehen lassen. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Frankfurt ein Moloch von Flughafen ist mit unzähligen Gebäuden, reichlich (sogar animiertem) Bodenverkehr, einem komplexen System aus Rollwegen, Andockpositionen am Gate und auf den Außenpositionen sowie vier Start- und Landebahnen mit ihren jeweils eigenen Instrumentenlandesystemen, glänzt der Flughafen durch eine durchweg gute Performance. Genau darüber hatten sich im Vorfeld viele potenzielle Kunden die Köpfe zerbrochen, und waren schwer besorgt, was die „Flugtauglichkeit“ eines solch komplexen Flughafens angeht, doch hier kann zum Glück Entwarnung gegeben werden.

Weniger Entwarnung ist beim Thema Speicherverbrauch angesagt. Leider schrammt der Mega Airport ständig an der Grenze zur gefürchteten „Out Of Memory“ Fehlermeldung und dem damit einhergehenden, unweigerlichem Absturz des Flugsimulators. Hier heißt es, Autogen und Texturauflösung auf ein „vernünftiges“ Maß zu reduzieren, ansonsten ist im Endanflug tatsächlich Schluss.

Ein Flughafen wie Frankfurt befindet sich natürlich im ständigen Umbruch. Fortwährend kommen neue Gebäude hinzu, alte werden abgerissen oder erneuert, Fluggastbrücken werden verändert, Rollwege neu gelegt. Dennoch hat es Aerosoft geschafft, den Flughafen in wesentlichen Zügen originalgetreu umzusetzen, so dass ein realistischer Flugbetrieb möglich ist. Gerade beim Fliegen in Online-Netzwerken wie IVAO oder VATSIM ist es wichtig, dass die Umsetzung im Simulator möglichst genau dem Vorbild entspricht, da hier nach aktuellen Navigationsdaten und Kartenmaterial des Airports geflogen wird.

Ein Zugeständnis an die gute Performance sind allerdings Texturen an Gebäuden und am Boden, die nicht unbedingt dem Stand der aktuellen Möglichkeiten entsprechen. Im Vergleich zu anderen neuen Add-On-Flughäfen, wie zum Beispiel Prag, sind die Texturen in Frankfurt nicht ganz so hoch aufgelöst und wirken bei genauer Betrachtung leicht verwaschen. Auch sind Logos und Beschriftungen an Gebäuden nicht immer als 3D-Modelle ausgeführt, sondern lediglich als Fototapete aufgeklebt. Das gleiche gilt für Glasflächen: Transparenz oder Spiegeleffekte sind hier leider Fehlanzeige. An dieser Stelle sei allerdings angemerkt, dass alle aktuellen Flugsimulatoren, egal ob Prepar3D oder Flight Simulator X (FSX), von Haus aus schon jeden aktuellen PC bis an seine Grenzen fordern. Sehr große Add-On Flughäfen wie eben Frankfurt, die dann ihrerseits noch alle Register des technisch Möglichen ziehen, laufen schnell Gefahr, jeden PC zu überfordern. Dies würde unweigerlich zu einer Dia-Show statt einem flüssigen Flugerlebnis führen. Insofern ist hier den Entwicklern kein Vorwurf zu machen.

Als gelungen kann auch die Einbettung des Flughafens in die Umgebung angesehen werden. Es gibt keine störenden Übergänge in der Landschaft. Alle wichtigen Straßen und Autobahnen haben korrekten Anschluss. Besonders reizvoll ist im Übrigen der Anflug auf die Landebahn 25R, da der Endanflug am kompletten Flughafen vorbeiführt, und man so einen wunderbaren Blick auf die Szenerie hat. Allerdings sollte man den Blick aus dem Cockpit nur dann riskieren, wenn man noch den Autopiloten bemüht, um das Flugzeug zu steuern.

Zu guter Letzt kommt natürlich kein Bericht über einen neuen Flughafen ohne eine Bemerkung zu Fluggastbrücken aus, die sich auch bei Benutzung von Prepar3D bewegen lassen. Und hier gibt es gute Nachrichten. Aerosoft verspricht in „absehbarer Zeit“ bewegliche Jetways in einem Update auch für Prepar3D Nutzer nachzuliefern.

Alles in allem ist Mega Airport Frankfurt V2.0 eine gelungene Umsetzung und Neuauflage des wichtigsten deutschen Verkehrsflughafens für Prepar3D, FSX und FSX:SE. Die Performance ist für einen Airport dieser Größenordnung sehr gut, für die zwar einige Abstriche bei der Texturqualität gemacht werden müssen, aber hier geht „Flugtauglichkeit“ eindeutig vor Auflösung bis ins letzte Detail. Sobald, wie von Aerosoft versprochen, die beweglichen Fluggastbrücken für Prepar3D Nutzer verfügbar sind, fehlt nichts mehr, was den virtuellen Hobbypiloten davon abhalten sollte, auf Frankfurt V2.0 aufzurüsten.

Update (12.3.2017): Leider gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt, also neun Monate nach Release immer noch keine beweglichen Jetways für Prepar3D. Wir warten also weiter auf Nachbesserung.

Update (16.3.2017): Unser letztes Update ist wohl erhört worden. Heute stellte Aerosoft Version 2.10 zum Download zur Verfügung – mit beweglichen Jetways für Prepar3D und noch vielen anderen Verbesserungen, die ihr hier nachlesen könnt.

Erhältlich ist Mega Airport Frankfurt V2.0 im Aerosoft Online Shop für 29,95 Euro

4 Replies to “Aerosoft stellt „Mega Airport Frankfurt V2.0“ vor”

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