Es gibt eigentlich keinen triftigen Grund, eine Add-On Szenerie, die einmal primär für Flightsimulator X (FSX) oder Prepar3D (P3D) entwickelt wurde, nicht auch für die Alternativplattform X-Plane verfügbar zu machen – oder umgekehrt. Ganz im Gegenteil. Denn grundsätzlich lassen sich zumindest alle 3D Modelle, aus denen eine Szenerie hauptsächlich besteht, auch für den jeweils anderen Simulator verwenden, was Kosten spart und Entwicklungsressourcen schont. Allerdings gibt es nur wenige Entwickler, die diese Strategie verfolgen. Jo Erlend Sund gehört dazu (Mega Airport Oslo / Oslo XP sowie Bergen X / Bergen XP) aber auch 29Palms, die zumindest einige ihrer Szenerien für X-Plane 11 anpassen und umsetzen.

Noch konsequenter verfolgt das russische Entwicklerstudio JustSim diese Strategie. Fast jede Szenerie aus der Feder von Chefentwickler Andrej Bakanov ist kurz nach der Erstveröffentlichung für FSX oder P3D auch für X-Plane verfügbar. So stellte JustSim kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres „Dresden Airport EDDC“ für P3D v4 vor (Test siehe Link) und kurz darauf dann auch für X-Plane 11.

Schon die Szenerie für P3D v4 konnte in unserem Test überzeugen. Die spannende Frage ist also, ob JustSim den hohen Standard auch auf der X-Plane Plattform durchhält oder gar noch eine Schippe drauf legt.

Stellt man sich das erste Mal auf den Platz, fallen zuerst die klare und flüssige Darstellung sowie die gestochen scharfen Texturen und Schriften ins Auge. Man merkt der Grafikengine von X-Plane 11 einfach an, dass sie über viele Jahre auf 64 Bit optimiert wurde. Zudem verwendet X-Plane im Gegensatz zu P3D nicht die Microsoft Grafikschnittstelle DirectX, sondern OpenGL, was auch zu einer leicht anderen Anmutung führt. Demzufolge kann man auf Screenshots beide Simulatoren eigentlich immer sofort voneinander unterscheiden.

Der zweite Unterschied ist ebenso augenfällig: Fehlt in der P3D Version jeglicher animierter Bodenverkehr, was wir in unseren Test auch kritisiert hatten, wuseln in der X-Plane Variante jede Menge Servicefahrzeuge auf dem Vorfeld herum, was den Flughafen unheimlich lebendig gestaltet. Dagegen funktionieren in der X-Plane Variante die Fluggastbrücken nicht, was in der P3D Version zumindest in der Theorie funktionieren sollte, denn SODE Jetways sollten bereits seit einigen Wochen per Update nachgeliefert werden. Darauf warten wir allerdings immer noch. Nach Aussage von Andrey Bakanov soll das Update im Laufe der kommenden Woche erscheinen. Für X-Plane ist zu wünschen, dass JustSim die Szenerie per Update mit dem Autogate Plugin kompatibel macht, das die Finger automatisch an die Flieger anlegen lässt und in anderen Szenerien ganz wunderbar funktioniert.

Ansonsten gilt für X-Plane das gleiche wie für die P3D Version: Sämtliche Gebäude sind sehr detailliert gearbeitet und überzeugen mit einem sehr authentischen Aussehen. Allerdings wirken die Glasflächen am Tower und den Jetways, die bei P3D transparent sind, in der X-Plane Variante so als seien sie gar nicht vorhanden. So kann man zwar durch das Glas hindurchsehen, es sieht aber so aus, als wären gar keine Scheiben im Rahmen, da es keinerlei Reflexionen gibt.

Schwerer wiegt da schon die vorgegaukelte Transparenz der Glasscheiben an der Pkw Vorfahrt, die normalerweise eine gute Spotterposition aufs Vorfeld abgeben. Während der P3D Pilot sehr schön den Flugverkehr auf dem Vorfeld durch die transparenten Scheiben beobachten kann, kann der X-Plane Spotter zwar auch durch die Scheiben hindurchsehen, allerdings befindet sich auf der anderen Seite nur das statische Airport Modell. Weder das eigene Flugzeug, noch andere Objekte, die die Simulation hinzufügt, werden dargestellt.

Deutlich auf der Habenseite kann auch die X-Plane Variante wieder extrem gut aufgelöste und scharfe Bodentexturen verbuchen. Schärfer geht es kaum.

Ansonsten gleichen sich P3D und X-Plane Variante aber wie ein Ei dem anderen, außer dass es in X-Plane 11 leider immer noch keinen Winter gibt. Für die Dresden Szenerie gibt es auch keine Winteraustauschtexturen, was allerdings auch keinen Sinn ergeben würde, da ansonsten ein schneebedeckter Flughafen im immergrünen Meer der umgebenden Landschaft liegen würde.

Die Performance der Szenerie ist wie eingangs erwähnt auch bei höchsten Einstellungen und maximaler Objektdichte über jeden Zweifel erhaben. Die statischen Flugzeuge sollte man in X-Plane allerdings abschalten, es sei denn man kann sich mit Delta und Alitalia Kurzstreckenfliegern, die sich in der Realität eher selten nach Dresden verirren dürften, auf dem Vorfeld anfreunden.

Fazit

Mit „Dresden Airport EDDC X-Plane 11“ liefert JustSim wieder eine grundsolide Szenerie ab, die sich vor allem durch sehr gute Gebäudemodelle und scharfe Bodentexturen auszeichnet, die dem Flughafen einen hohen Grad Authentizität verleihen. Auch der animierte, und reichlich vorhandene Bodenverkehr tragen zum Realismus bei. Abzüge in der B-Note gibt es für unbewegliche Jetways, falsche Beschriftungen an eben jenen sowie unsauber programmierte Transparenzeffekte an Glasflächen.

 

„Dresden Airport EDDC“ ist bei simmarket für 22,37 Euro für X-Plane 11 zum Download erhältlich.

 

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