Wem in heimischen Gefilden momentan noch nicht kalt genug ist, dem kann geholfen werden. Zumindest in X-Plane 10 und 11. Denn Jo Erlend Sund, der schon für andere herausragende Szenerien wie Oslo Gardermoen oder Trondheim verantwortlich zeichnet, entführt uns mit „Værøy XP“ nun wieder in den hohen Norden Norwegens auf die Lofoten.

Die reale Vorlage der Lofoteninsel Vaeroy liegt am südlichen Ende der Inselgruppe. Die nächste, größere Stadt auf dem Festland ist Bodø. Tromsø, für das es übrigens auch aus der Feder von Jo Erlend Sund eine ausgezeichnete Szenerie gibt, liegt noch einmal ein Stückchen weiter nördlich, ist aber gut geeignet für einen Ausflug mit einer kleinen Propellermaschine.

Nicht umsonst gab es viele Debatten, ob es denn sinnvoll ist, den Flugplatz direkt am Fuße der hoch aufragenden Felsen am Nordufer der Insel zu bauen. Malerisch ist der Anblick allemal.

Aus fliegerischer Sicht ist Vaeroy zumindest in der Realität mittlerweile ziemlich abgeschnitten. Denn der kleine Flugplatz am Fuße der hoch aufragenden Klippen am nördlichen Ende der Insel ist seit 1990 geschlossen. Und das aus gutem Grund. Denn wegen des sich schnell ändernden Wetters auf Vaeroy und der Lage direkt am steil aufragenden Felsen ist der An- und Abflug auf und von der 800 Meter kurzen Piste schon immer mit hohen Risiken verbunden gewesen. Das führte nicht nur zu erheblichen Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb (fast jeder zweite Flug wurde aufgrund des Wetters gestrichen), sondern auch zu vielen Unfällen. Der schwerste davon, im April 1990, endete mit dem Absturz einer Widerøe Twin Otter nach dem Start bei heftigen und unregelmäßigen Winden sowie schlechter Sicht. Aufgrund dieses Vorfalls entschied sich die Luftfahrtbehörde, den Flugplatz zu schließen. Danach übernahm der auf der Südseite der Insel gelegene Hubschrauberlandeplatz den kompletten Luftverkehr zum Festland.

Was in der Realität die Sicherheit gefährdet, ist im Simulator allerdings erst Recht Ansporn, derartige Herausforderungen zu meistern. Daher ergibt es durchaus Sinn, dieses Kleinod der Luftfahrtgeschichte im Flusimulator wiederzubeleben.

„Vaeroy XP“ punktet dabei mit einer sehr detaillierten Umsetzung des realen Vorbildes der kompletten Insel. Der alte Flugplatz an sich besteht aus nicht viel mehr als aus dem kleinen Flughafengebäude, einem Kerosintank sowie der eigentlichen Piste und Rollwegen. Allerdings sind diese wenigen Gebäude und Einrichtungen mit so viel Liebe zum Detail umgesetzt, dass sich auch ein Blick aus der Nähe und ein kleiner Spaziergang um den Flugplatz herum lohnt.

Aber auch der Rest der Insel lohnt sich zu erkunden. Vor allem im Winter. Denn dann entfaltet das Eiland seinen ganz besonderen Reiz, nicht nur wegen des ebenfalls simulierten Polarlichts, das sich mit einem Konfigurator sehr genau einstellen lässt. Da X-Plane unter normalen Umständen allerdings keinen Winter kennt, liefert „Vaeroy XP“ zum Glück Austauschtexturen für die kalte Jahreszeit mit.

Für den bequemem Wechsel der Texturen zwischen Sommer und Winter bietet sich übrigens das kleine Programm „JSGME“ an, ein so genannter „Generic Mod Enabler“. Ausführlichere Informationen zu diesem kleinen, sehr hilfreichen Programm finden sich im x-plane.org Forum. In der ebenfalls neuen Szenerie „Svalbard4XPlane„, die wir hier auch bald testen werden, ist dieses kleine Tool übrigens schon enthalten.

Doch nicht nur der mittlerweile geschlossene Flugplatz ist in der Szenerie umgesetzt, sondern auch der neuere Heliport auf der Südseite der Insel. So kommen auch alle X-Plane Hubschrauberpiloten auf ihre Kosten. Hier bieten sich vor allem kurze Shuttleflüge zu allen anderen Inseln auf dem Lofoten Archipel sowie zum Festland an, zum Beispiel nach Bodø.

Abfertigung und Lagerhallen des Hubschrauberlandeplatzes im Süden der Insel.

Zu guter Letzt bringt die Szenerie auch noch ihr eigenes Bodengitternetzmodell (Mesh) mit, was der aus vielen zerklüfteten Felsen bestehenden Insel eine noch höhere Authentizität verleiht. Diese Höhendaten sind zum Glück sowohl mit dem Standard Mesh von X-Plane wie auch mit dem beliebten Zusatz-Mesh von AlPilot X kompatibel. Der Wechsel zwischen beiden Varianten gelingt sehr einfach mit dem mitgelieferten Konfigurationstool.

Fazit

Mit „Vaeroy XP“ hat Aerosoft und Entwickler Jo Erlend Sund wieder ein sehr gelungenes Kleinod im Norden Norwegens für den Flugsimulator, in diesem Fall X-Plane, umgesetzt. Die Szenerie, die die komplette Insel umfasst, bietet sich vor allem für Hubschrauberflüge an, die gerade in X-Plane besonders herausfordernd sind. Aber auch kurze Ausflüge mit der Twin Otter oder kleinen Propellermaschinen, die in der Realität gar nicht mehr möglich sind, da der kleine Flugplatz im Norden der Insel längst geschlossen ist, bieten bei den ständig wechselnden Witterungsbedingungen eine willkommene Abwechslung. Großer Vorteil der Szenerie ist, dass sie mit Austauschtexturen für den Winter geliefert wird was sehr zur Authentizität beiträgt.

 

„Vaeroy XP“ ist im Downloadshop von Aerosoft für X-Plane 10 und 11 für 14.95 Euro erhältlich.

Kommentar verfassen