Hier fing irgendwie alles an. Wer seit den ersten Tagen des Microsoft Flightsimulators in den virtuellen Weiten dieser PC Flugsimulation unterwegs ist, kennt diesen Flughafen aus dem Eff Eff: Meigs Field am Ufer des Lake Michigan in Downtown Chicago. Der kleine Flugplatz für Privatjets und Propellermaschinen war der Standardflughafen, von dem aus jede Menge Aufgaben starteten, um sich mit den Grundlagen des virtuellen Fliegens vertraut zu machen. Der australische Entwickler OrbX konnte also keinen besseren Ort für das X-Plane Debüt seiner FTX Zusatzszenerien finden.

In der Welt von Flightsimulator X (FSX) und Prepar3D (P3D) ist OrbX seit langem eine bekannte und etablierte Größe. Der Entwickler bietet für diese beiden Simulatoren seit vielen Jahren eine breite Palette an Zusatzsoftware. Neben den üblichen Flughafenszenerien hat sich OrbX vor allem mit den globalen Landschaftsgestaltern aus der „FTX Global“ Serie (Base, Vector, openLC) einen Namen gemacht, die zu den unabdingbaren Add-Ons in der Welt von FSX und P3D gehören. Schon vor geraumer Zeit hatte OrbX angekündigt, mittelfristig auch Produkte für  die zweite wichtige Flugsimulatorplattform X-Plane zu entwickeln. X-Plane hat seit Version 11 einen enormen Zuspruch erfahren und wird mehr und mehr zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz vor allem für P3D. Die Entscheidung des etablierten FSX/P3D Entwicklers, sich mit X-Plane ein zweites Standbein zu schaffen, erscheint also nur logisch und folgerichtig. Aus Sicht des Kunden ist diese Entscheidung ebenfalls nur zu begrüßen, belebt doch Konkurrenz bekanntermaßen das Geschäft. Außerdem ist es ein wichtiges Signal für andere FSX/P3D Entwickler, wenn sich eine Branchengröße wie OrbX entscheidet, seine Produktpalette auf X-Plane auszuweiten.

Aber wie schlägt sich nun das OrbX X-Plane Debüt im Simulator? Wer mit OrbX Produkten aus der FSX/P3D Welt bereits vertraut ist, für den wird die Installation keine Überraschung darstellen. Für alle anderen, die sich bisher nur mit X-Plane beschäftigt haben, ist der Installationsvorgang sicher eine Neuerung. Denn bei OrbX werden alle Add-Ons über einen einheitlichen Konfigurator (FTX Central) installiert, so auch Meigs Field für X-Plane. Nur für Linux und MacOS ist FTX Central noch nicht verfügbar. Hier ist noch Handarbeit angesagt.

Beim Starten des Programms bietet FTX Central alle auf dem eigenen PC vorhandenen Simulatoren als Vorauswahl an. Wählt man hier X-Plane, gelangt man direkt zur Produktseite, die im Moment genau ein Add-On anzeigt: KCGX Merril C. Meigs Field. Der Rest der Installation erfolgt mehr oder weniger vollautomatisch, die beiden Ordner, die nach der Installation korrekt im X-Plane Custom Sceneries Ordner landen, werden auch gleich in der „scenery_packs.ini“ eingebunden. Leider gibt es hier momentan noch einen kleinen Bug, der dazu führt, dass bei einigen Nutzern mit einer recht umfangreichen scenery_packs.ini das Overlay des Flughafens nicht korrekt positioniert werden kann, so dass am Ende des Installationsvorgangs eine Fehlermeldung erscheint, die allerdings keinen Einfluss auf die Szenerie hat. Alles wird so dargestellt wie es sein soll. Laut OrbX ist der Fehler aber bekannt. Man arbeitet an einem Update.

Positiv zu bemerken ist, dass die Szenerie keine anderen Produkte von OrbX voraussetzt. Ob das in der Zukunft weiterhin gilt, bleibt abzuwarten. In der FSX/P3D Welt ist für die meisten Add-On Flughäfen von OrbX Voraussetzung, dass man zumindest FTX Global Base und/oder eine der FTX Regions (z.B. FTX NA Southern California) installiert hat.

Stellt man sich dann das erste Mal auf den Platz direkt am Fuße der Wolkenkratzer in der Innenstadt von Chicago, kommt schon so etwas wie Nostalgie auf. Allerdings hat natürlich die Hochglanzszenerie in Ultra HD von heute mit den verpixelten VGA Grafiken aus den 90ern  überhaupt nichts mehr gemein, obwohl die neue Szenerie im Grunde eine Konvertierung des Original Add-Ons von Alex Goff und Tim Harris darstellt. Hier muss man den Hut ziehen, was die OrbX Entwickler Matvei Malishenko und Tony Wroblewski aus der alten Vorlage herausgeholt haben.

Nostalgiker kommen übrigens auch in Bezug zur Realität auf ihre Kosten: Denn der Flugbetrieb in Meigs Field wurde 2003 nach einer äußerst umstrittenen Aktion, bei der Bürgermeister Daley die Landebahn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zerstören ließ, zwangsläufig und endgültig eingestellt. Danach wurde das Areal in einen Park umgewidmet. Starten und landen kann man in Meigs Field also nur noch im Simulator.

Das erste, was X-Plane typisch auffällt, ist, wie flüssig die Szenerie läuft im Vergleich zu ähnlichen Add-Ons in FSX oder P3D und das trotz der mit Gebäuden vollgepackten Skyline von Chicago. Der Flughafen selbst besteht aus nur sehr wenigen Gebäuden: Ein kleiner Tower mit Nebengebäude, die Feuerwache und ein kleines Abfertigungsgebäude für die Allgemeine Luftfahrt, das war’s. Allerdings haben die Entwickler OrbX typisch viel Augenmerk auf kleine Details gelegt. So gibt es jede Menge Propellermaschinen und Business Jets, Hubschrauber, Tankwagen, Müllcontainer, Treibstofffässer, Absperrzäune, parkende Autos und vieles mehr, was der Szenerie Leben einhaucht. Das einzige was fehlt, sind bewegliche Objekte. Leider gibt es außer den X-Plane eigenen Autos auf den Straßen der Stadt keinerlei animierte Bodenobjekte was schade ist. Das hätte der Szenerie noch mehr Authentizität verliehen. Immer wieder gern gesehen allerdings: eine vollständig modellierte Inneneinrichtung des Empfangsgebäudes und transparentes Glas.

Was dem Flugplatz selbst an Gebäuden fehlt, haben die Entwickler allerdings in der näheren Umgebung auf opulente Art und Weise wettgemacht. Denn auch die unmittelbare und weitere Umgebung des Flughafens ist vom Navy Pier im Norden bis zum McCormick Place Convention Center im Süden und westlich bis zur Michigan Avenue detailliert mit jeder Menge handmodellierten Objekten umgesetzt worden. Erwähnenswert sind dabei das Soldier Field, das Art Institute of Chicago samt Millenium Park, Navy Pier und das Alder Planetarium direkt am Flugplatz. Auch wenn die Gebäudetexturen sicher eine etwas höhere Auflösung vertragen könnten, trägt die Fülle und Detailverliebtheit der zusätzlichen Objekte wesentlich zum Realismus der Szenerie bei.

Fazit

Mit „KCGX Merril C. Meigs Field“ ist dem angestammten FSX/P3D Entwickler OrbX ein fulminanter Auftakt in der Simulatorwelt von X-Plane gelungen. Die Szenerie überzeugt mit jeder Menge handmodellierter Objekte, nicht nur auf dem Gelände des mittlerweile in der Realität geschlossenen Flugplatzes, sondern mit ebenso vielen markanten Gebäuden und Wahrzeichen der Innenstadt Chicagos. Das Abfertigungsgebäude zeichnet sich durch transparentes Glas und einen detailliert gestalteten Innenraum aus. Die Ablaufgeschwindigkeit bleibt dabei X-Plane typisch über jeden Zweifel erhaben. Einem flüssigen Flugerlebnis steht also trotz der Objektdichte nichts im Weg. Einfach gestaltet sich auch die Installation mit Hilfe des OrbX Konfigurators „FTX Central“. Alles in allem also ein rundum gelungenes X-Plane Debüt mit einer bemerkenswerten Referenz zu den Anfängen der Flugsimulation auf dem PC.

„KCGX Merril C. Meigs Field“ ist im OrbX Store für X-Plane 11 für 32,95 Australische Dollar (ca. 21 Euro) zum Download erhältlich.

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