Eine ganze Zeit lang war es ruhig um das Entwicklerstudio FlyTampa. Die Veröffentlichung der letzten, von Grund auf neu entwickelten Flughafenszenerie, Amsterdam, datiert zurück auf Dezember 2016. Im Verlauf des Jahres 2017 standen dann vor allem Updates für einige der älteren Szenerien im Mittelpunkt, um sie mit der neuesten 64-Bit Version von Prepar3D kompatibel zu machen.

Mit Boston Logan (ICAO: KBOS) widmet sich FlyTampa nun bereits zum zweiten Mal dem wichtigen Drehkreuz an der amerikanischen Nordostküste. Die Vorgängerversion erhielt zuletzt im Jahr 2009 ein Update, war also bereits seit langem hoffnungslos veraltet, von einer Kompatibilität mit aktuellen Flugsimulatoren ganz zu schweigen. Folgerichtig bezeichnet FlyTampa die neue Variante als „Boston Rebooted“. Ebenso konsequent und richtig ist die auch Entscheidung, diese und alle anderen neuen Szenerien nur noch für Prepar3D Version 4 zu entwickeln.

Soviel sei vorweg genommen: Dieser Reboot macht seinem Namen alle Ehre. Boston Logan ist ein Koloss von Flughafen mit einer riesigen Grundfläche, sechs Start- und Landebahnen, vier Terminals und unzähligen Gebäuden, die über Jahrzehnte hinweg mehr oder weniger organisch angeflanscht wurden, um dem ständig wachsenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden. Hinzu kommt, dass der Flughafen sehr nah an Boston Downtown liegt. Was in der Realtität die Wege verkürzt, ist im Flugsimulator allerdings eine besondere Herausforderung, da die unzähligen Gebäude in der Bostoner Innenstadt, egal ob handmodelliert oder vom Computer generiert (Autogen), das Potenzial haben, stark auf die Performance zu drücken.

Was dem Flughafen in der Realität wie im Simulator seinen besonderen Reiz verleiht, ist seine Lage auf einer der unzähligen (Halb-)Inseln der Stadt. Auch hier hat die Schönheit allerdings ihren Preis. Lässt man nicht ein wenig Moderation walten bei den Einstellungen für die Wasserspiegelungen, geht die Bildwiederholrate schnell in den Keller. Da nützt dann auch die schnellste Grafikkarte nichts mehr.

Die Szenerie bettet sich hervorragend in die umgebende Landschaft ein. Die Lage auf einer Insel verleiht dem Flughafen seinen besonderen Reiz.

Auch ansonsten ist in einigen Punkten Zurückhaltung gefragt, was die vielfältigen Einstellmöglichkeiten im FlyTampa Konfigurator angeht, will man den Anflug auf den Flughafen nicht in einer Diashow genießen. Das gilt insbesondere für das animierte Bodenpersonal. Was durchaus hübsch anzusehen ist, hat schon in der niedrigsten Einstellung (sparse) einen spürbaren Einfluss auf die Performance.

Die animierten Kollegen der Ground Crew beleben zwar den Flughafen deutlich, ziehen allerdings auch die Bildwiederholrate unweigerlich in den Keller…
…daher am besten die Ramp People im Konfigurator abschalten.

Positiv auf die Performance wirkt sich allerdings aus, dass FlyTampa die in P3D v4.2 eingeführte entfernungsabhängige Implementierung des leistungsfressenden, P3D v4 eigenen „Dynamic Lighting“ verwendet. Hier kann der Szenerieentwickler den Detailgrad der dynamischen Beleuchtung von der Entfernung abhängig machen. Je weiter weg also ein Objekt vom Beobachter ist, umso weniger realistisch wird der Lichtschein sein, was aufgrund der Entfernung vernachlässigbar ist. Allerdings sollte diese Maßnahme zumindest in der Theorie die Bildwiederholrate spürbar verbessern. Man kann nur hoffen, dass schnell andere Entwickler per Updates dieses neue Feature in ihre Szenerien einbauen, um den chronischen Leistungseinbußen bei Nachtflügen und der Verwendung von „Dynamic Lighting“ zu begegnen.

Dass die neue Boston Szenerie auf jede Menge Optimierungen angewiesen ist, um eine brauchbare Performance zu gewährleisten, kann man gut am Detailgrad der Umsetzung ablesen. Trotz der beachtlichen Größe des Flughafens sparten die Entwickler nicht mit jeder Menge bewegter und statischer Objekte. So wuseln auf dem Apron in realistischer Zahl sehr detailliert modellierte Bodenfahrzeuge herum und stehen an jeder Ecke Gepäckcontainer und andere typische Utensilien der Luftfahrt.

Auch die Gebäude selbst erfreuen mit einem sehr hohen Detailgrad. Gerade an etwas weiter entfernten Objekten, die nicht notwendigerweise im unmittelbaren Blickfeld des Piloten liegen, erkennt man die Detailverliebtheit der Entwickler. Nur wenige Designer würden vermutlich eine Garageneinfahrt, die unter normalen Umständen niemand zu Gesicht bekommt, so detailliert modellieren.

FlyTampa denkt nicht nur an die im unmittelbaren Blickfeld liegenden Gebäude. Auch eine Garageneinfahrt kann mit hohem Detailgrad überzeugen.

Das gleiche gilt auch für sämtliche Objekte im Umfeld des Flughafens wie zum Beispiel das Hilton oder das Hyatt mit ihren charakteristischen Silhouetten oder die Brücke am Hafen. Auch hier werden kaum Abstriche am Detailgrad gemacht.

Ebenso überzeugen können sämtliche Texturen am Boden. Nicht nur sind sie hochauflösend, auch ihre Anmutung wirkt äußerst realistisch. So gibt es allerorten kleine Risse im Boden, Ölflecke und andere Abnutzungserscheinungen wie sie auf einem in die Jahre gekommenen Flughafen üblicherweise vorkommen.

Auch im Winter bietet die Szenerie einen realistischen Anblick. Rollwege und Vorfeld sind teilweise schneebedeckt, zusammengeschobene Schneehaufen zeugen von einem halbwegs funktionierenden Winterbetrieb, und Schneewehen fegen über die Landebahnen.

Bei weitem kein Standard und doch immer wieder gern gesehen: Die Glasflächen sind an vielen Gebäuden und Skyways transparent und geben den Blick frei auf ein detailliert gestaltetes Innenleben.

SODE Jetways sind bei FlyTampa leider noch kein Standard, allerdings lassen sich sämtliche Fluggastbrücken mit STRG-J bewegen. Auch an vom Computer generierte Flugzeuge (AI Traffic) legen sich die Finger bereitwillig und wie von Geisterhand an.

Fazit

Mit „Boston – Rebooted v4“ hat FlyTampa wieder einmal unter Beweis gestellt, dass man zu den Premiumanbietern unter den Szenerieentwicklern gehört. Der neue Flughafen überzeugt mit einem sehr hohen Detailgrad, vielen animierten und statischen Objekten, hoher Texturauflösung, transparenten Glasflächen und sogar einem modellierten Innenleben in den meisten Terminalgebäuden. Selbst nicht im unmittelbaren Blickfeld des Piloten liegende Gebäude sowie das unmittelbare Umfeld des Flughafens sind sehr genau modelliert, so dass auch ein kleiner Ausflug aus dem Cockpit lohnt. Dass all diese Grafikpracht nicht zu sehr auf die Performance schlägt, ist den sehr feinen Einstellmöglichkeiten im mitgelieferten Konfigurator sowie einer auf die neueste Prepar3D Version optimierten Programmierung zu verdanken. So gerät der Anflug auf den neuen Flughafen auch in anspruchsvollen Flugzeugen nicht zur Ruckelpartie.

„FlyTampa Boston – Rebooted v4“ ist im Downloadshop von FlyTampa für Prepar3D v4 für 26 Euro erhältlich.

Und zum Schluss noch eine kleine Galerie:

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