Tiefgreifende Umbrüche in der Softwarebasis ziehen normalerweise einen ganzen Rattenschwanz an Änderungen hinter sich her, die oft zu viel Frust und Arbeit führen, wenn es darum geht, alte Software auf der neuen Plattform laufen zu lassen. So war das bei DOS bzw. Windows und x86 Prozessoren beim Umstieg von 8 Bit auf 16 Bit, später von 16 auf 32 und schließlich von 32 auf 64 Bit. Wobei uns beim letztgenannten Wechsel schon fast ein Desaster drohte. Denn die ursprüngliche Planung Intels war, mit der Einführung ihres neuen 64-Bit Itanium Prozessors mit der alten 32-Bit Architektur zu brechen und auf eine vollkommen neue und nicht abwärtskompatible 64 Bit Architektur zu setzen. Zum Glück gab es da noch AMD, die mit ihrem Opteron einen neuen 64-Bit Prozessor vorstellten, der sich auch auf 32 (sowie 16 und 8) Bit verstand und daher mit bereits vorhandener Software kompatibel blieb. Der Rest ist Geschichte. Intel übernahm den Befehlssatz von AMD, verwarf den Itanium und Microsoft brachte mit Windows XP sein erstes 64 Bit Betriebssystem auf den Markt, das auf den AMD x86-64 Befehlssatz aufsetzte. Damit konnte alte 8, 16 und 32 Bit Software weiter auf neuen 64 Bit Computern und Betriebssystemen laufen. Einzige Ausnahme: Programmbibliotheken und Treiber, die direkt auf den so genannten Kernel des Betriebssystem zugreifen mussten. Diese mussten zwangsläufig in 64 Bit programmiert sein, was gerade am Anfang zu Problemen führte, weil vor allem neue 64 Bit Treiber für Peripherie wie z.B. Drucker zum Teil lange auf sich warten ließen.

Einen ähnlichen Wechsel erleben wir nun gerade beim Schwenk von Prepar3D v3 (32 Bit) auf Prepar3D v4 (64 Bit). Auch hier gilt: Im Grunde ist Prepar3D v4 abwärtskompatibel zu den vorangegangenen 32 Bit Versionen. Dennoch enthält fast jede Zusatzsoftware von Drittanbietern Programmcode in 32 Bit, mit dem Prepar3D v4 nichts mehr anfangen kann. Statische Objekte wie Texturen, Fototapete etc. sind davon nicht betroffen, wohl aber jede Zeile lauffähiger Programmcode. Dazu gehören in Flughafenszenerien z.B. der Bodenverkehr oder jede Art von Animationen. Im Vergleich zu Add-On Flugzeugen, die fast ausschließlich aus ausführbarem Programmcode und Laufzeitbibliotheken bestehen, ist allerdings der Anteil Code, der in 64 Bit programmiert werden muss, und damit der Aufwand, der bei einem Update getrieben werden muss, bei Add-On Szenerien deutlich geringer. Hinzu kommen neue Features und Funktionen in Prepar3D v4, die erst einmal nichts mit der neuen 64 Bit Fähigkeit zu tun haben, wie zum Beispiel „Dynamic Lighting“, die aber jeder Entwickler gern als Neuerung in seine v4 kompatiblen Szenerien einbinden will.

So entstand ein Riesendruck auf die Hersteller ebenjener Zusatzsoftware, ihre Software mit dem aktuellsten Flugsimulator nicht nur lauffähig zu machen, sondern auch noch optisch aufzuhübschen und auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Zum Glück nehmen das fast alle Entwickler sehr ernst, so dass in den vergangenen Monaten eine Vielzahl an Updates auf den Markt kam – einige kostenlos, viele allerdings gegen eine kleine Updategebühr.

Der Publisher mit den mit Abstand meisten Add-Ons und mithin dem größten Nachholbedarf ist sicher Aerosoft. So verwundert es nicht, dass es hier gerade einen wahren Updateregen gibt, mit dem schwer Schritt zu halten ist. Über die kommenden Wochen werden wir uns daher an dieser Stelle die wichtigsten Neuerungen anschauen und einen Blick auf die runderneuerten Add-Ons werfen.

Den Anfang macht heute La Palma. Die Vorgängerversion war prinzipiell schon unter Prepar3D v3 lauffähig, was man nicht von jeder Szenerie aus dem Hause Aerosoft behaupten kann. Ich erinnere hier an die Flughäfen aus der German Airports Serie, die nicht ohne besondere Tricks unter P3D zum Laufen zu überreden waren. Allerdings kämpfte die P3D Variante von La Palma bei mir immer wieder mit mieser Performance. So war die Animation der Windräder direkt am Flughafen alles andere als geschmeidig. Auch gab es Probleme mit dem Höhenmodell (Mesh), so dass teilweise GSX Fahrzeuge im Boden versanken oder auch Flugzeugräder nicht immer bündig mit dem Boden abschlossen.

Doch hier kann Entwarnung gegeben werden: In der neuen Version für P3D v4 laufen die Windräder sehr geschmeidig, die Szenerie insgesamt ist als hochperformant einzustufen. Auch das Flughafen Mesh ist jetzt exakt gearbeitet, so dass einsinkende Fahr- und Flugzeuge aller Art der Vergangenheit angehören. Allein aus diesen Gründen lohnt sich das Update auf die „Professional“ Variante, die speziell für P3D v4 optimiert wurde.

Einen Makel – und der ist leider systemimmanent – hat allerdings auch die runderneuerte La Palma Szenerie wieder: Einen wesentlichen Reiz des Flughafens macht nämlich die nicht ebene Landebahn aus. Die fällt in der Realität in Richtung Norden von 102 auf 66 Fuß ab. Also ein Höhenunterschied von 10 Metern auf eine Länge von gerade einmal 2,2 Kilometer Landebahn. Da meist in Richtung Norden gelandet wird, muss man in der Realität diesen Abfall bei der Berechnung der Landegeschwindigkeiten und der automatischen Bremseinstellungen (Autobrake) durchaus berücksichtigen, da man sonst leicht über das Ende der Landebahn hinausschießen kann. Das gilt vor allem bei Rückenwind, denn es wird auch noch bis zu einer Rückenwindkomponente von 10 Knoten in Richtung Norden gelandet. Dies und der Umstand, dass beim Anflug starke Turbulenzen durch Fallwinde auftreten können und auch der Endanflug durch die ständige Gefahr von Scherwinden nicht gerade ein Kinderspiel ist, machen La Palma zu einem durchaus anspruchsvollen Anflug. Im Flugsimulator wird die nicht ebene Landebahn allerdings sehr häufig nicht umgesetzt, da der vom Computer generierte Flugverkehr (AI Traffic) mit diesen schiefen Landebahnen nicht zurechtkommt und schlicht nicht landen würde. Und so haben sich auch die Entwickler von La Palma gegen die unebene Landebahn entschieden. Für Online-Flieger, die in aller Regel ohne AI Traffic unterwegs sind, wäre es wünschenswert, allerdings auch mit einem höheren Aufwand für die Entwickler verbunden, wenn man sich in den Einstellungen für eine unebene Landebahn entscheiden könnte.

Ansonsten besticht die Szenerie mit einem sehr hohen Grad Detailliebe. Der Flughafen wirkt durch animierten Bodenverkehr, aber auch jede Menge statische Objekte sehr lebendig. Am Horizont ziehen große Passagierschiffe ihre Bahn, und in unmittelbarer Flughafennähe schaukeln verträumt Wasserflugzeuge im virtuellen Atlantikwasser. Den Aufwand, den ein Szenerieentwickler betreibt, erkennt man auch oft daran, wie realistisch Objekte umgesetzt sind, die sich nicht in unmittelbarer Nähe des Terminals befinden. Und hier lässt sich Sim-Wings nicht lumpen. Die Zufahrt zum Flughafen, die durch einen Tunnel führt, ist detailgetreu umgesetzt. Und gerade diese Unterführungen sind es immer wieder, die Add-On Designern besonderes Kopfzerbrechen bereiten, da sie in das Bodenmodell der Standard Prepar3D Szenerie eingreifen. Deshalb gelten Flughäfen in bergigem Gelände gemeinhin als besondere Herausforderung. Eine Herausforderung, der sich Sim-Wings offenbar gern und erfolgreich stellt.

Abgerundet wird das positive Gesamtbild des Flughafens durch die P3D v4 eigene dynamische Beleuchtung („Dynamic Lighting“), die eine sehr realistisch wirkende Nachtansicht auf den PC Bildschirm zaubert. Leider geht wie üblich (und dafür kann der Szenerie Entwickler nichts) bei der Verwendung von Dynamic Lighting und höheren Anti Aliasing Einstellungen (Kantenglättung) die Performance in den Keller. Dennoch bleibt die Szenerie auch bei hohen Einstellungen jederzeit gut fliegbar. Neu ist ebenfalls die Einparkhilfe APIS (Aircraft Parking and Information System), die den Realitätsgrad zusätzlich steigert. Mit von der Partie sind die glücklicherweise mittlerweile zum Standard gehörenden beweglichen Jetways (STRG-J), die es allerdings (auch in der Realität) nur an zwei Fluggaststeigen gibt.

Insgesamt hinterlässt die runderneuerte La Palma Szenerie aus dem Hause Sim-Wings einen sehr positiven Eindruck. Sowohl Flughafen wie auch die Insel selbst sind liebevoll und detailliert umgesetzt. Animierte Boden- und Wasserfahrzeuge jeglicher Art gestalten die Szenerie darüber hinaus sehr lebendig und authentisch. Die neue dynamische Nachtbeleuchtung sowie bewegliche Fluggastbrücken runden das Gesamtpaket ab. Wer bis jetzt gezögert hat, die Kanareninsel La Palma in seinen virtuellen Flugplan aufzunehmen, da ihn die Performance oder das fehlerhafte Höhenmodell der Vorgängerversionen gestört hat, kann nun bedenkenlos bei der „Professional“ Variante zuschlagen. Für alle Besitzer der älteren FSX oder P3D Varianten lohnt sich in jedem Fall das Update für 4,79 Euro.

„La Palma Professional“ ist im Aerosoft Shop für Prepar3D v4 für 23,95 Euro erhältlich. Das Update von einer der Vorgängerversionen kostet 4,79 Euro.

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